Interner Bereich

   

Der Abendvortrag von Dr. Peter Pfeiffer über die Entstehung und den ursprünglichen Sinn und Zweck der untertägigen Verbindung zwischen dem Jungferweiher und dem Ulmener Maar lockte ca. 120 Zuhörer ins Ulmener Rathaus. Anschaulich und spannend präsentierte Dr. Pfeiffer die Ergebnisse einer unter seiner Leitung stehenden interdisziplinären Arbeitsgruppe aus Historikern, Archäologen und Geoarchäologen der Universität Trier. Durch das Aufzeigen zahlreicher Beispiele römischer Tunnelanlagen und dem direkten Vergleich mit dem Ulmener Stollen/Tunnel wies der Vortragende auf das Fehlen sämtlicher typischen Bausignifikanzen hin. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist der als „Römerstollen“ bekannte Stollen nicht spätantik. Aber wann und von wem und zu welchem Zweck wurde der Tunnel zwischen dem Jungferweiher und dem Ulmener Maar gebaut?

Diese Frage beantwortete Dr. Pfeiffer indem er eine Parallele zu einer mittelalterlichen Tunnelbauleistung der unweit entfernten Benediktinerabtei Maria Laach herstellte. Dort wurde ein mehr als 800 Meter langer Tunnel zur Nivellierung des Wasserspiegels des Laacher Sees gebaut, der wie die Ulmener Anlage auch, bis heute den Wasserspiegel der Kraterseen reguliert. Nach weiteren Ausführungen bezüglich mittelalterlicher Bauleistungen wurde dem Publikum deutlich, dass der Ulmener Stollen in eine hochmittelalterliche Ausbauphase der Ulmener Burg datiert werden kann. Besonders hervorgehoben hat Dr. Pfeiffer, dass im Laufe der Untersuchungen ein zweites 190 m langes Stollenbauwerk (Südtunnel) untersucht wurde. Dieser zweite, ebenfalls künstlich angelegte wasserführende Stollen verläuft vom Südufer des Ulmener Maares unter der Burganlage durch und wird in der Marktstraße in die Kanalisation eingeleitet. Für die interdisziplinäre Forschergruppe steht zweifelsfrei fest, dass die beiden Tunnelbauwerke in einem funktionalen Zusammenhang stehen. Es handelt sich hierbei um eine seltene wasserwirtschaftliche Großanlage, wie sie nördlich der Alpen bisher noch nicht entdeckt wurde. Der Bestimmungszweck der Stollen liegt im Zusammenhang mit mittelalterlichem Mühlenbetrieb und damit einhergehender Wasserregulierung.

Dr. Pfeiffer beendete seinen gelungenen Vortrag mit dem Fazit, dass der Ulmener Stollen zwar nicht antik sei, aber auf Grund der besonderen Funktionalität der in Zusammenhang stehenden Tunnelbauwerke etwas ganz Besonderes darstelle.

Bürgermeister Alfred Steimers und Dr. Andreas Schüller vom Natur- und Geopark Vulkaneifel bedankten sich bei Dr. Peter Pfeiffer für diesen gelungenen und informativen Vortrag, der im Rahmen der Vulkaneifelakademie gemeinsam von der Verbandsgemeindeverwaltung Ulmen und dem Natur- und Geopark Vulkaneifel organisiert wurde.
Festzuhalten bleibt, dass die Ulmener sich wohl einen neuen Namen für ihren Stollen überlegen sollten.